News von Revolver

Rückblick und Ausblick

20. November 2017

Von Paul Gaspar, Gründer und Geschäftsführer


Wie alles begann


Die 1990er Jahre: Kohl war Kanzler, Kate Moss lief zu Musik von Nirvana über Laufstege. Im Quelle-Katalog standen D-Mark-Preise, Yuppies waren stolz auf ihre Nokia-Handys. Googeln konnte man noch nicht, stattdessen gab es AltaVista. Grafiker arbeiteten mit QuarkXPress und FreeHand, Dias wurden auf Trommelscanner geklebt.


Und ich hatte eine kleine, feine Werbeagentur gegründet. Wir fanden zahlreiche Kunden, und bald stand das Thema „Agentur-Software“ an. Doch der Blick auf das damalige Angebot war ernüchternd: zu teuer, zu träge, zu kompliziert, zu starr und auch einfach zu häßlich.


Das geht besser, sagte ich mir.


Es ergab sich, dass ich meine Kreativ-Schmiede an eine große GWA-Agentur verkaufen konnte. Und so konzentrierte ich mich ab 1998 ganz auf das neue Projekt. 2002, nach mehr als vier Jahren Entwicklung, kam die Version 1.0 auf den Markt. Und wurde sofort ein Erfolg.


Der andere Weg


Üblicherweise wurden Agentursoftwares damals auf Datenbank-Entwicklungsumgebungen wie „4th Dimension“ oder „FileMaker“ erstellt. Damit konnte man schnelle Ergebnisse erzielen. Nur waren diese Ergebnisse weder schön anzusehen, noch besonders angenehm zu bedienen. Außerdem mussten die Kunden für jeden Arbeitsplatz enorme Gebühren an die Datenbank-Hersteller zahlen. Dazu kamen hohe Kaufpreise für die Agentursoftware selbst und teure Wartungsverträge.


Ich hatte mich schon 1998 entschieden, ganz anders vorzugehen als meine damaligen Wettbewerber. Die Idee war: Ich programmiere meine eigene Plattform, meine eigene Datenbank-Entwicklungsumgebung. Natürlich abgespeckt, nur mit den Funktionen, die benötigt wurden. Daraus ist der Design-Modus entstanden, der bis heute zentraler Bestandteil von Revolver ist.


Das Interessante daran ist: Die meisten Ansichten in Revolver wurden mit diesem Design-Modus erstellt. Oder anders gesagt: Revolver wurde mit Revolver programmiert. Und zwar innerhalb weniger Monate, nachdem die Plattform fertig war. Dieser Plattform-Mechanismus war und ist das elementare Erfolgsrezept unserer Software.


Die Zeiten ändern sich … oder nicht?


Anfang der 2000er Jahre las ich zum ersten Mal von einem amerikanischen Startup mit dem Namen "Salesforce". Diese Leute behaupteten, dass klassische Software am Ende sei. Die Zukunft gehöre Diensten, auf die man über das Internet zugreift. Ich habe das damals nicht wirklich ernst genommen. Zu langsam und unzuverlässig war noch das Internet, zu hakelig die Bedienung. Heute bewundere ich die Weitsicht der damaligen Gründer. Salesforce macht mittlerweile sechs Milliarden Dollar Umsatz.


In der Zwischenzeit aber gewann mein Produkt immer mehr Kunden. Ich stellte Mitarbeiter für Support und Entwicklung ein, mietete größere Räume. Wir entwickelten Revolver weiter, programmierten eine Zeiterfassungs-Konsole und andere praktische Funktionen.


Doch Anfang der 2010er Jahre stießen wir an technische Grenzen. Einerseits, weil der mobile Zugriff immer wichtiger wurde, spätestens seit der Vorstellung des iPad. Andererseits, weil es schwierig wurde, neue komplexe Funktionen zu realisieren (wie zum Beispiel ein Dashboard oder Integrationen mit anderen Diensten).


Erst haben wir eine Weile probiert, die alte Plattform zu modernisieren. Aber letztlich war das sinnlos. Eine neue Technologie mußte her. Somit: Eine neue Plattform. Webbasiert natürlich.


Und das bedeutete: Noch einmal von vorne Anfangen. Die ganze Software noch einmal neu programmieren. Aber immerhin mit den Erfahrungen aus den vielen Jahren mit der alten Plattform.


Wie beginnt man eigentlich eine Mammut-Aufgabe?


Nun stand ich vor einem Dilemma. Ich selbst hatte so gut wie keine Ahnung von diesen neuen Technologien. Erst recht nicht von der Architektur, von den Strategien, den Konzepten. Aber auch mein Entwickler-Team hatte das nicht. Ich hatte sie einst eingestellt, um klassische Software zu programmieren, nicht eine webbasierte SaaS.


Was also tun? Das gesamte Entwickler-Team entlassen und neue Leute einstellen? Das Team, das seit Jahren gut zusammenarbeitet, auseinander reißen? Und die Konzeption einem anderen überlassen? Dabei zusehen, wie Entscheidungen getroffen werden, deren Tragweite ich nicht beurteilen kann? Das alles wollte ich nicht. Da bin ich wohl zu sehr traditioneller Unternehmer.


Also entschied ich, mit dem bestehenden Team an diese große Aufgabe heran zu gehen. Ergänzt um Hilfe und Rat von außen. Auch wenn das Ganze lange dauern sollte.


Für mich persönlich bedeutete das: Noch einmal auf die Schulbank. Wenn auch nur virtuell.


Die neue Plattform


In den letzten Jahren haben wir unsere Plattform nicht einmal neu geschrieben, sondern zweimal. Das erste Mal war zum Lernen. Erst danach wussten wir, wie es eigentlich geht.


Dabei ist der Zeitpunkt von Bedeutung, an dem wir begonnen haben: 2013.


Wer sich heute daran macht, eine Webapplikation zu entwickeln, wird die bekannten Frameworks wählen: React und Redux oder Angular, GraphQL, Socket.IO, um nur einige zu nennen. Bausteine, die sich wie Lego zusammen stecken lassen (jedenfalls in der Theorie).


Nur: 2013 gab es das alles noch nicht. Oder es war, wie im Fall von React, noch so sehr in den Kinderschuhen, dass es schlicht unbrauchbar war. Und einen "Design-Modus" konnte man auf der Basis auch nicht wirklich erstellen. Trotzdem wollten wir natürlich die Möglichkeiten nutzen, die moderne Webanwendungen erst richtig komfortabel machen.


Wir waren gezwungen, unser eigenes Framework zu erschaffen. Wir mussten vieles von dem selbst konzipieren und programmieren, was man mittlerweile mit einem Mausklick auf den Rechner laden kann.


Heute kann ich sagen kann: das war ein Glücksfall. Unsere Plattform sitzt wie ein Maßanzug. Wenn man so will: Wir haben kein Fertighaus gekauft, sondern Stein auf Stein gebaut. Das dauert länger und kostet mehr, ist aber am Ende besser.


Im Folgenden möchte ich einige wichtige Merkmale unserer Plattform aufzählen. Da nicht jeder Leser aus der technischen Ecke kommt, verzichte ich an dieser Stelle auf Details.


RevolverScript


Wir haben eine eigene Script-Sprache entwickelt, die Grundlage für das ganze System ist. Damit lassen sich komplexe Ansichten und Dialoge in kurzer Zeit erstellen.


Echtzeit


Alle Inhalte sind auf allen Geräten immer aktuell, da sie vom Server an die Clients gepusht werden. Dass bedeutet, der Anwender muss Ansichten nicht von Hand aktualisieren oder neu laden.


Push-Benachrichtigungen


Wenn Sie das neue Revolver gerade nicht geöffnet haben, erhalten Sie Benachrichtigungen auf das Handy oder auf den Rechner, falls für Sie relevante Dinge passiert sind. Diese Benachrichtigungen lassen sich natürlich auch abschalten oder zeitlich eingrenzen.


Progressiv


Bereiche der Anwendung, die nicht gleich benötigt werden, werden später nachgeladen. Dadurch gibt es keine übermäßig langen Wartezeiten beim Start.


Browser und Apps


Das neue Revolver läuft auf allen modernen Browsern: Chrome, Firefox und Opera ab Version 45, Safari ab 8, Edge ab 14. Dazu gibt es Apps für macOS, Windows, iPhone und iPad, sowie Android. Die mobilen Apps haben nahezu den vollen Funktionsumfang, nutzen aber die Möglichkeiten der Touch-Screens (z.B. mit Swipe-Gesten zwischen Ansichten wechseln).


Sprachen


Das neue Revolver ist jetzt bereits zweisprachig: Deutsch und Englisch. Außerdem sind folgende Sprachen in Vorbereitung: Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch.


Integrationen und API


Das neue Revolver ist keine Insel-Lösung mehr. Derzeit fertiggestellt und in Erprobung sind Integrationen mit Twitter, Facebook, Trello, GitHub, Jira und ActiveCollab. Weitere sind in Vorbereitung. Dazu gibt es eine Schnittstelle zu Zapier. Mit Zapier läßt sich Revolver mit vielen hundert anderen Diensten verbinden. Und schließlich wird auch eine API zur Verfügung stehen.


Performance


Die neue Plattform kann viele Millionen Anfragen pro Tag verarbeiten, ohne an ihre Grenzen zu stoßen. Somit ist sie auch für sehr große Kunden mit mehreren tausend Benutzern geeignet.


Hochverfügbarkeit und Sicherheit


Das neue Revolver wird zunächst in der Private-Cloud-Version angeboten. Dabei erhält jeder Kunde seine private, geschützte Datenbank, in der ausschließlich seine Daten liegen. Die Daten werden dabei immer synchron in zwei getrennten Rechenzentren gespeichert, zwischen denen mehrere Kilometer Luftlinie liegen. Selbst der (sehr unwahrscheinliche) Totalausfall eines Rechenzentrums würde deshalb nicht zu Datenverlust führen.


Ebenfalls wichtig: Der Server-Standort ist Deutschland, das Rechenzentrum wird von einem deutschen Unternehmen betrieben und unterliegt somit ausschließlich deutschem Recht. Wir hosten nicht bei Amazon, Google oder Microsoft! Die zertifizierten Rechenzentren entsprechen natürlich allen heute üblichen Sicherheits-Standards.


Was noch zu tun ist


Auch wenn jetzt, im November 2017, weite Teile der Plattform fertig sind, bleibt noch einiges zu tun. Insbesondere der Design-Modus bedeutet noch mehrere Monate Arbeit. Aber auch am Client stehen noch zahlreiche Punkte auf der Liste, bevor wir mit der neuen Agentursoftware in die Beta-Phase gehen können.


Um die technische Seite der Plattform im realen Live-Betrieb auf die Probe stellen zu können (vor allem was Stabilität und Sicherheit betrifft), werden wir vorab ein kleineres Produkt mit deutlich weniger Funktionen in die Beta-Phase bringen. Das ist aber ein Thema für einen separaten Blog-Beitrag.


Es wird also noch eine längere Zeit dauern, bis Sie das "alte" Revolver durch das neue ersetzen können. Im nächsten Blog-Beitrag gehe ich auf einige technische Aspekete der neuen Plattform tiefer ein.



Viele Grüße aus Aachen
Ihr Paul Gaspar